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Sinfonieorchester Tonart Heidelberg spielte in der Mannheimer Christuskirche

02.02.2017
Holleber‐Uraufführung: Impressionen der Natur und der Metropole

Naturphänomene in Klang zu fassen, das interessiert die Komponisten immer wieder. Von barocken Sturm‐Vertonungen bis heute sind viele Natur‐Impressionen durch die Partituren geweht, und auch David Holleber wurde von solchen Phänomenen inspiriert zu seinem neuen Orchesterwerk "Wehende Farben". Die Uraufführung war nun beim jüngsten Auftritt des Sinfonieorchesters Tonart Heidelberg in der Mannheimer Christuskirche zu erleben.

Der junge Komponist aus der Kompositionsklasse Prof. Sidney Corbett an der Mannheimer Musikhochschule, der in Heidelberg geboren wurde und auch Pianist ist, hat ein Werk geschrieben, das an vorbeiziehende Wolkenformationen denken lässt. Graue Wolken, die sukzessive ihre Farbe und Konsistenz ändern. Zarte Klänge, Flageoletts und Sekundreibungen intonierte das groß besetzte, bläserreiche Orchester, spinnwebfeine Dissonanzen und verfremdete Bläsertöne eröffneten ruhige Klangprismen.

Sanfte Klagemotive tönten zwischen wohligen Harmonien und stehenden, kreisenden Klängen. Unter der Leitung seines Dirigenten Knud Jansen musizierte Tonart sehr feinsinnig dieses Werk mit seinen offenen Strukturen und fein gestalteten Verdichtungen.

In ein amerikanisches Programm eingebettet war das neue Werk, das freundlichen Publikumsbeifall erhielt. Ein Zeitgenosse von Mahler war Edward Macdowell, aus dessen "Indianischer Suite" Nr. 2 eingangs zwei Sätze zu hören waren. Einen herrlich warmen Klang aktivierte das Orchester, mit edel tönenden Blechbläsern, guten Holzbläsersolisten und geschmeidigen Streichern. Große Elegien, hymnische Bögen wurden klangsatt ausgestaltet, es wurden wechselnde Stimmungen und Bilder zu schönstem Leben gebracht.

Sehr amerikanisch klang danach die sinfonische Skizze "Jubilee" des Spätromantikers George Chadwick: rhythmisch vital, triumphal und voll strotzenden Selbstbewusstseins. Dazwischen hörte man schmiegsam gestaltete Lyrismen, welche die Weite der Prärie erahnen ließen.

"The pleasure dome of Kubla Khan" hieß eine Tondichtung von Charles T. Griffes. Zauberische Farben und Orientalismen, detailreiche Bläser suggerierten eine erotisch aufgeheizte Atmosphäre in diesem Lustschloss, das nicht nur zum Ausruhen diente. Leidenschaften und Action gab es gleichfalls reichlich.

Zum Schluss: Gershwins "Ein Amerikaner in Paris" in einer herrlich aufgeräumten, überaus schwungvoll‐vitalen Wiedergabe. In Hochstimmung brachten das prächtig aufspielende Orchester und sein Dirigent diese Musik, kam die Polyphonie der Töne, Ereignisse, Farben zu bester Wirkung: Der Lärm der Straße, die vital tanzenden, elastisch swingenden Jazzrhythmen ergaben ein sehr lebendiges Bild der Seine‐Metropole. Sehr präzise ertönten die rhythmischen Impulse, das hatte Swing und Drive, und auch der amerikanische Ton, das lässige Schlendern, kam nicht zu kurz.

Copyright © Rhein‐Neckar‐Zeitung 2017 (Rezensent: Rainer Köhl)

Zarathustra auf der Spur

04.08.2015
Fast wie ein Schwesternwerk oder oder eine Studie zur Tondichtung "Also sprach Zarathustra" wirkt der "Feierliche Einzug der Ritte des Johanniter-Ordens" von Richard Strauss. Über ruhigem Paukenwirbel ertönen feierliche Quinten-Signale der Posaunen, die in einem großen Tuttitriumph mit Beckenschlag münden. Das TonArt Orchester begann sein jüngstes Programm in der Heidelberger Stadthalle eben mit dieser Rarität: Herrlich ausgekostet wurde die feierliche Klanglichkeit. Aus ruhigen, wagnerisierenden Harmonien ließ Chefdirigent Knud Jansen die Klänge zu prachtvoll feierlichem Triumph anwachsen.

Keine Uraufführung gab es diesmal, dafür aber interessante Kostbarkeiten. So auch das Trompetenkonzert von Henri Tomasi, das der Franzose 1948 schrieb. Einen feinen Ton entwickelte der Solist Andreas Stickel mit beweglicher Virtuosität. Klanglich erlesen und stimmungsvoll manövrierte er durch die nächtlich gedämpften Gershwin-Sphären, um dann wieder aufgeweckt munter in kapriziöse Spiellust einzuschwenken. Über eine tolle (Repetitions-)Technik verfügt der Solist ebenso wie er feine Nuancen und exquisite Stimmungen zum Tönen brachte, virtuose Signale lustvoll schmetterte.

Muntere Dialoge ging er mit dem Orchester ein, mit dem Xylophon etwa. Blitzsauber bis in die leisen Diskantspitzen blies der junge Solotrompeter der Rheinischen Philharmonie Koblenz, entlockte im Nocturno erlesene Töne mit der gestopften Trompete, eingebungsvoll von der Harfe und sahnigen Streicherharmonien begleitet. Burleske Spielfreude brachte Stickel ins Finale, mit blitzsauber servierten, rasant wirbelnden Linien: ein vergnüglicher Kehraus.

Schwung gab das TonArt Orchester dem begleitenden Part und ebenso der anschließend erklingenden Ouvertüre zu Rimski-Korsakovs "Die Zarenbraut". Hingebungsvolle Lyrismen hörte man daneben, die Violinen aber waren nicht immer präzise im Zusammenspiel. Emphase und romantische Hochstimmung erhielt abschließend Robert Schumanns 3. Sinfonie, die "Rheinische". Schwingende Ländlerseligkeit, glühende Hörner, zu jubelnder Stimmung hochgejazzte Intensität: Knud Jansen machte beste Arbeit mit seinen Musikern.

© Rhein-Neckar-Zeitung, 29.07.2015

Konzert für die Johanniter

21.07.2015
Mit einem Sinfoniekonzert haben die Johanniter ihrem 60-jährigen Bestehen eine feierliche Note gegeben. In der Christuskirche spielte das Heidelberger Sinfonieorchester Tonart unter der Leitung von Knud Jansen klassische Werke.

Imposant und fast schon monumental eröffnete der "feierliche Einzug der Ritter des Johanniter-Ordens" von Richard Strauß das Konzert. Vor allem die Blechbläser waren bei diesem majestätischen Klang gefordert.

Bei Ausschnitten aus Henri Tomasis Konzert für Orchester und Trompete glänzte Trompeter Andreas Stickel als Solist mit einer tadellosen Leistung. Zwischendurch musste der Solist - der Hitze geschuldet - auch schon mal einen Schluck Wasser trinken. Nach diesem Stück umarmten sich Dirigent Jansen und Trompeter Stickel herzlich. Der Solist spielt ansonsten im Staatsorchester Rheinische Philharmonie Koblenz.

Die Ouvertüre aus "Des Zaren Braut" von Nikolai Rimski-Korsakow überbrückte in schnellem Tempo bis zur Pause. Dann gönnten sich die Zuhörer frische Luft vor der Christuskirche. Ein Trompeter des Orchesters rief mit einem kleinen Solo die Gäste wieder zurück in den Rundbau zum zweiten Teil, bei dem aus Robert Schumanns Sinfonie Nr. 3 "Die Rheinische" mal nicht so schnelle, sondern feierliche aber zum Schluss zu sehr lebhafte Ausschnitte zu Gehör gebracht wurden.

Nicht enden wollender Beifall

Gerade zum Ende hin trieb Dirigent Jansen sein aus jungen Universitätsangehörigen und älteren Berufstätigen bestehenden ambitionierten Orchester nahezu noch einmal zur Hochform. Nicht enden wollender Beifall war der Lohn für diese gekonnte und gelungene Aufführung. Die jungen Zuhörer Sebastian und Ronja fanden das Konzert "sehr gut". Sebastian hatte der modernere erste Teil und Sonja der zweite Teil des Konzerts besser gefallen.

Der Vorsitzende des Johanniter-Regionalverbandes Baden, Wilhelm Salch, fand das Konzert "einfach nur hervorragend. Einen solch orchestralen Einstieg des Einzugs der Ritter des Johanniter-Ordens habe ich zuvor noch nicht gehört." Salch berichtete, dass die Johanniter-Unfallhilfe Mannheim 1955 im Turmzimmer der Konkordienkirche gegründet wurde. Mit mehreren Veranstaltungen wird die Johanniter-Unfallhilfe, dieses Jahr feiern, so der Vorsitzende. Am 19. September zwischen 11 und 19 Uhr wird das Ganze in einem Tag der offenen Tür mit einer Leistungsschau gipfeln und zwar zusammen mit dem Technischen Hilfswerk (THW) und der Feuerwehr auf dem Gelände der Johanniter in Friedrichsfeld, Saarburger Ring 61.

Fred Ruppert, ebenfalls Vorstandsmitglied der Johanniter-Unfall-Hilfe, Regionalverband Baden, blickte zurück. Die Wurzeln der Johanniter reichten bis ins Jahr 1099 zurück. Erstmals wurden zur Zeit der Kreuzzüge verwundete Ritter in Jerusalem behandelte. Der Johanniterorden sei daher aus einer Spitalbruderschaft hervorgegangen, die in Jerusalem ein Johannes dem Täufer geweihtes Hospital betrieb. Heute sind laut Ruppert die Johanniter in Mannheim ein "mittelständisches Unternehmen der Nächstenliebe".

Immerhin 200 Mitarbeiter leisten hier ihre Arbeit. Dazu kommen rund 375 ehrenamtliche Helfer sowie Freiwillige, die ein soziales Jahr verbringen. "Wir sind daher ein modernes Unternehmen mit einer sehr langen Tradition", so Ruppert: "Zukunft seit 1099" könnte der Slogan der Johanniter deshalb heißen.

Die Zielsetzung sei immer unverändert geblieben: Kranken, Verletzten und Schwachen zu helfen an jedem Tag.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 21.07.2015

Zwischen Aufbruch und Tradition

07.02.2015

Uraufführung von Barretts "Pull" mit dem Tonart-Sinfonieorchester Heidelberg in der Stadthalle


Von Simon Scherer

Als Konflikt zwischen Weiterforschen und Rückkehr beschreibt Komponist Michael Warren Barret sein Werk "Pull". Für diesen Zug inneren Verlangens nach Neuerkundung und Zugkraft zum identitätsstiftenden Ursprungsort ist laut Barrett Stillstand definitiv die falsche Lösung. Der Uraufführung mit dem TonArt-Sinfonieorchester in der Heidelberger Stadthalle setzte Dirigent Knud Jansen zwei Romantiker voran, mit deren interpretatorischer Richtung er die "Pull"-Wesenszüge schon mal gesondert vorstellte.

In Verdis Ouvertüre zu "La forza del destino" versetzte Jansen die Streicher sogleich in innere Unruhe, aus der sie unweigerlich auszubrechen gedachten. Nicht nur für ein wehmütiges Duett von Solo und Flöte wusste Jansen absolute Stille zu gewähren, Spannungsmomente aufzubauen, aus denen nervös-prickelnde Geigen erwachten oder weitere Soli im Holz den Faden des Geschehens aufnahmen und weiterführten. Die Entwicklung ging gerade voraus zum Positiven hin, wie es ein friedlich-zufriedener Blechmarsch oder vergnügte Sprünge im Streicherfeld ausstrahlten. In Manuel de Fallas Suite "El amor brujo" ließen die Musiker mit einer großen Palette an Sinneseindrücken reichlich spanisches Flair spürbar werden. Ihr konzentriert arbeitender Dirigent hatte sie auf jedes Detail eingeschworen, sodass er ganz gelassen Elemente herausgreifen und Schwerpunkte setzen konnte: mal verrucht, dann verträumt-schwelgend oder ein affektvoller Kontrast zwischen selbstbewussten Hörnern und demütiger Flöte. Auf hohem Niveau ließen die Musiker ein herrliches Bild der Heimat Fallas in all ihren Facetten vor Augen treten, deren Tradition melodisch wie rhythmisch alle zehn Sätze über treu eingehalten wurde.

Konzentriert auf hohem Niveau


Barretts "Pull" ließ diese Charakterzüge nun gegeneinander antreten. In überschaubarem Aufbau und von Unisono-Motiven geprägtem Verlauf verkörperten die im gleichen Muster wiederkehrenden Klangsprengsel etwas Abgeklärtes, Stumpfsinniges, Deprimiertes. Dem vorwiegend im Tutti aufspielenden Orchester gelang es nur vage, sich zu mehr Optimismus vorzuarbeiten, bevor es zum Schluss zurückgeworfen wurde, hinein in Hoffnungs-und Ausweglosigkeit.

Tschaikowskys Fantasie-Ouvertüre zu "Romeo und Julia" konfrontierte dann noch mit dem Herzschmerz, wunderbar sentimental-anrührend dargeboten. Lediglich die geigerische Energie und der Zusammenhalt im Tempo schwächelten etwas, was dem überschwänglichen Applaus jedoch nicht anzumerken war.

© Rhein-Neckar-Zeitung, 07.02.2015

Vielfarbig und präzise

03.02.2015
Natürlich war nicht immer alles perfekt zusammen, die Musiker des Sinfonieorchesters Tonart Heidelberg sind schließlich meist junge Laien und nicht die New Yorker Philharmoniker. Doch so groß ist der Unterschied zu Profi-Musikern auch wieder nicht, wovon sich jetzt ein zahlreich erschienenes Publikum in der Aula der Mannheimer Universität überzeugen konnte.

Das Programm war anspruchsvoll genug: schon bei der Ouvertüre zu Verdis Oper "La Forza del destino" war das opulent besetzte Orchester hellwach und mit viel Feuer und Temperament bei der Sache - sicher auch eine Folge des suggestiven Dirigats von Knud Jansen. Und wie in Manuel de Fallas Suite "El amor brujo" die Farben vor allem der Bläser funkelten, wie die Streicher ein wirklich butterzartes Pianissimo zustande brachten: Das hatte mit dem Klang eines Laienorchesters nicht mehr sehr viel zu tun.

Ungewöhnlich auch dies: Das Tonart-Orchester spielt regelmäßig Uraufführungen von Werken junger Komponisten aus der Region. In diesem Fall das Orchesterstück "Pull" des in Mannheim studierenden Amerikaners Michael Warren Barrett; ein Werk von großer Klangfarben-Sensibilität, das mit Akkordfolgen beginnt, die sich mehr und mehr auflösen.

Kompliment fürs Programmheft


Schließlich Peter Tschaikowskis Fantasie-Ouvertüre "Romeo und Julia", in der noch einmal beides offenkundig wurde: funkelnde Präzision und prächtige Orchesterfarben und deshalb ein großes Hörvergnügen; allerdings gab es hier auch manche störende Ungenauigkeit. Doch der begegnet man auch bei vielen Profis. Ein Sonderkompliment für das vorzügliche, weil inhaltsreiche Programmheft. Das findet man bei Profis nämlich längst nicht immer.host

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 03.02.2015

Quelle: http://www.morgenweb.de/nachrichten/kultur/regionale-kultur/vielfarbig-und-prazise-1.2088250
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