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Über das Feuer der Freiheitsliebe

03.02.2011
Ein prächtiger Spielort und ein ambitionierter Klangkörper. Es passt also zusammen, wenn das Heidelberger Tonart Orchester in der Mannheimer Christuskirche aufspielt und mit bemerkenswerten Qualitäten aufwartet. Rund 100 Musiker, das bedeutet naturgemäß eine massive Klangwirkung bei Bedarf, doch unter Leitung des Gießener Universitätsmusikdirektors Stefan Ottersbach gelingt dem Orchester noch viel mehr: Es kann gestalten.

So gewinnt gleich die einleitende Egmont-Ouvertüre dramatische Schärfung und zupackende Kontur, auf dass Beethovens Idealismus als Feuer der Freiheitsliebe aufblitzen mag. Aber auch Farbspiele beherrscht das Orchester, weil es mit gut ausgebildeten bis semiprofessionellen Musikern besetzt ist. Die ließen mit der Tondichtung "Fontane di Roma" von Ottorino Respighi schillernde Bilder aus Licht und Wasser entstehen, sprühend und gleißend ("Fontane del Tritone"); die "Fontana di Trevi" wurde als musikalischer Triumphbogen des stolzen Rom beeindruckend aufgestellt, wie auch die Holzbläser das Schlussbild zu mildem Ende führten.

Musikalisches Gesellenstück
Als Frucht der Zusammenarbeit mit dem Kompositionslehrer Sidney Corbett erlebten die "Drei Elegien" dessen Schülers Harold A. Bedoya ihre Uraufführung. Der junge Kolumbianer setzt sich mit Tod und Vergebung auseinander; aus kleinteilig-motivischem Material baut er eindringliche Epitaphe. Es ist eine Musik, die den Hörer bedrängt, ihm die Schatten des Seins nahe bringt und es ist vor allem ein beachtliches, etwa 18-minütiges Gesellenstück. Das profilierende Dirigat von Stefan Ottersbach bewährte sich auch in der siebten Sinfonie in d-Moll von Dvorak, die stürmend musikantisch aufblühte. Die Lust am Musizieren mündete im lustvoll aufgeplusterten Elgar-"Pomp" als Zugabe.

Mahler-Häusl bleibt stehen

12.07.2010
Von unserem Mitarbeiter Hans-Günter Fischer

Die berühmte clusterartige Zusammenballung von neun Tönen im Adagio-Satz der zehnten Sinfonie von Mahler ist als psychischer Zusammenbruch gedeutet worden. Wenn nicht gar als Katastrophe: In Ken Russells Mahler-Film fliegt Mahlers "Komponierhäusl" im Südtiroler Toblach in die Luft. Die Inszenierung Stefan Ottersbachs ist nicht so theatralisch, nüchtern diagnostiziert der Dirigent die musikalischen Verläufe. Zuverlässig, zügig. Es gab schon Orchesterleiter, die hier zehn Minuten länger nach Psychosen fahndeten.

Doch Ottersbach erfasst durchaus den Kern dieser Musik, und dass der Anspruch seines Heidelberger "TonArt"-Sinfonieorchesters "nur" ein halb professioneller ist, ist in der Universitäts-Aula in Mannheim bloß bedingt zu hören - wenn etwa die Hörner leicht porös klingen. Die Bläser haben auch bei Jürgen Sting (geboren 1981) einiges zu tun, sogar Bezugspunkte zu Mahler kann der junge Komponist, Student bei Sidney Corbett an der Mannheimer Musikhochschule, nachweisen.

Wie Mahler, der in seinen Sinfonien "durchgeknallte" Militärkapellen aufmarschieren lässt, kennt Sting die Basis: Er ist einst in einem Jugendblasorchester musikalisch aufgewachsen, in Marktoberdorf im Allgäu. Seine "Sinfonia fragile" war zunächst als Bigband-Stück geplant, hat aber dann ein Eigenleben angenommen. Auch wenn sie nicht vollständig in das sinfonische Format hineinwächst - und ein Flickenteppich bleibt.

Sicher strukturierte Lesart

Das alles bringt das "TonArt"-Sinfonieorchester ungeschminkt zum Klingen. Auch die Brahms'schen "Haydn-Variationen" werden einer zuverlässigen, in Tempo und Dynamik sicher strukturierten Lesart unterzogen. Manchmal fehlt es an den leuchtenden Details, aber das Wesentliche tritt nur umso deutlicher hervor. Für Beethovens Tripelkonzert, mit den Solisten des jungen Karlsruher Aramis Trios, gilt dasselbe, mag ihm auch der glühend heiße Sommernachmittag ein wenig schwer im Frackhemd hängen.

Mannheimer Morgen
12. Juli 2010

Ran ans Sinfonische

04.02.2010
Von unserem Mitarbeiter Eckhard Britsch

Wäre die Welt ärmer ohne die Komposition "Messy Tessy" von Kian Geiselbrechtinger, die in der Neuen Aula Heidelberg und später in der Christuskirche Mannheim durch das TonArt-Sinfonieorchester unter Leitung Stefan Ottersbachs das Licht der Welt erblickte? Ein bisschen schon, weil der junge Komponist undogmatisch schreibt, und das ist gut so. Ideologen haben wir genug auf dem Erdball, da freut sich der Hörer über Unverkrampftes, das hier zwar Schwächen hat; Geiselbrechtinger scheint mit dem großen Apparat noch nicht die ideale Klangbalance gefunden zu haben. Doch gefällt, dass seine Musik nicht "mährt", sondern frisch daherkommt.

Erfolgreiche Gesellenprüfung
Geiselbrechtinger, der momentan bei Sidney Corbett in Mannheim studiert, will spürbar kein musikalisches Philosophikum ablegen, sondern Unterhaltung im besten Sinne herstellen. Das dreisätzige Stück nimmt im Kopfsatz Fahrt auf über motorische Impulse und Zitatanspielungen aus der Heavy Metal-Szene. Im langsameren Mittelteil darf ein bisschen kontemplativ gezaudert werden, ehe das Finale ein freches Folkloretänzchen wagt. Heiter, entspannt und ohne Scheuklappen - Irland lässt grüßen. Insgesamt hat er seine Gesellenprüfung unter tätiger Anteilnahme des sehr gut aufgelegten TonArt-Sinfonieorchesters erfolgreich abgelegt.

Stefan Ottersbach hat das Profil dieses ambitionierten Klangkörpers weiter geschärft. Die Musiker wachsen an den großen sinfonischen Projekten. Die Tondichtung "Toteninsel" von Sergej Rachmaninow vermittelte plastisch den dunklen Urgrund eines von der eigenen Psyche Gequälten; die konvulsivischen Momente erfuhren genauen Aufbau, das Lebensgefühl einer Jahrhundertwende emotionale Mitteilsamkeit.

Mit der ersten Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch entwickelten Orchester und Dirigent ein weites Panorama kompositorischer Gedanklichkeit zwischen Bindung an Tradition und der Ungeduld eines jungen Feuerkopfes, der seinen Weg sucht und schon gefunden hat. Die technischen Mittel des Orchesters zur Umsetzung waren bemerkenswert fundiert, so dass auch das partielle Pathos klanglich transparent blieb. Sehr viel Beifall im gut besuchten Saal und als zugebendes Dankeschön Schostakowitschs berühmter Musette-Walzer.

Mannheimer Morgen
04. Februar 2010

Aufbruch zur Toteninsel

02.02.2010
Es ist eines der wohl berühmtesten Werke des schweizerischen Malers Arnold Böcklin: Seine "Toteninsel", von der in den Jahren 1880 bis 1886 fünf einander in den zentralen Bildmotiven ähnelnde Versionen entstanden. Aus einem unergründlichen Gewässer ragt eine steile Felswand empor, in die Grabkammern eingelassen sind. Ein Nachen, mit einer weißen Figur bemannt und einen weißen Sarg tragend, nähert sich der Insel. Sollte Böcklin das Bildmotiv der griechischen Mythologie entlehnt haben, handelte es sich um den Bootsführer Charon, der einen Verstorbenen über den Totenfluss Acheron geleitet. So ganz passt die antike Vorlage aber nicht zu dem Bild und so hat das Werk mit jener unheilvoll-geheimnisvollen Aura nicht nur Schriftsteller von Heinrich Mann über Strindberg bis zuletzt Politycki zu Bearbeitungen angeregt.

Auch Komponisten erlagen fasziniert dem Dunkel seiner Mystik. Einer von ihnen war Rachmaninow. Seine sinfonische Dichtung "Die Toteninsel“ gab das Sinfonieorchester TonArt Heidelberg nun zum Besten. Dazu: eine Uraufführung des irisch-deutschen Komponisten Kian Geisselbrechtinger des Titels "Messy Tessy" und Schostakowitschs erste Sinfonie. Ein Programm, das es in sich hatte. Ein gewaltiges Szenario voll sinistren Pathos malte Rachmaninow in seiner sinfonischen Dichtung, in der die Streicher im Verein mit den Holzbläsern sich Tonburgen in gewaltigen Wellen auftürmen ließen. Unter dem Druck der Blechbläser zerbarst dann was in sich zusammenfallen konnte. Lichte Momente umspielten zart schauernd ein melancholisches „Dies irae". Einen zündenden Kontrast hierzu schufen die drei Orchesterstücke "Messy Tessy", deren freudig-lichtvollen Charakter das Orchester in der Persiflage alt-irischer Bardengesänge und der Einflüsse von Heavy-Metal-Bands wie "Metallica" , "Apocalyptica" und "Rammstein“ luftig interpretierte. Die erste Sinfonie. Schostakowitsch verwarf mehr als eine orchestrale Tradition und war für die Spieler eine Herausforderung, der sie sich gerne und durchaus mit Erfolg stellten. Dass ein einfacher Jazzwalzer vom selben Komponisten als Zugabe wie ein Ohrwurm nachklang, war das besondere Verdienst des Dirigenten Stefan Ottersbach, der ganz ausgezeichnete Arbeit leistete.

Astrid Mader, Rhein-Neckar-Zeitung am 02.02.2010

Benefizkonzert in der Christuskirche

28.01.2009
Das 1. Mannheimer Johanniter-Benefizkonzert in der Christuskirche
"TonArt" hilft dem Schul-Sanitätsdienst mit Musik


Von unserer Mitarbeiterin Monika Lanzendörfer

Diese Prognose ist sicher erlaubt: Das 1. Mannheimer Johanniter-Benefizkonzert wird eine Fortsetzung erleben. Die Premiere fand beim Publikum lebhafte Zustimmung. Es sieht also ganz so aus, als habe in der Christuskirche eine neue Wohltätigkeits-Reihe zugunsten der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) begonnen.


Fred Ruppert, ehrenamtlicher Vorstand des Regionalvorstandes Rhein-Neckar/Franken, bestätigt auf Anfrage, dass es ein zweites Konzert geben werde. Ruppert begrüßte die zahlreichen Ehrengäste und Besucher des Abends mit dem Hinweis auf das Ziel der Veranstaltung: "Jugendförderung im weitesten Sinne". Der Reinerlös soll dem Ausbau des Schul-Sanitätsdienstes zugutekommen. Als Vertreterin des erkrankten Schirmherrn, des Ersten Bürgermeisters Christian Specht, rief Stadträtin Adelheid Weiss ins Bewusstsein, welch ein weites Aufgabengebiet die Johanniter betreuen. Die Palette reiche vom Katastrophenschutz über die Altenpflege bis zur Obdachlosenarbeit.


Weiss erinnerte an die bundesweit beachtete Aktion "Schulterschluss", in der sich alle Rettungsorganisationen gemeinsam auf dem Maimarkt 2008 präsentierten. Das vorbildliche Praktizieren der Nächstenliebe lasse sich auch durch Zahlen belegen. So seien im vergangenen Jahr 20 000 Helferstunden und 6500 Stunden im Schul- und Sanitätsdienst notiert worden. Dafür dankt die Politikerin dem "wichtigen Partner, der aus unserer Stadt nicht wegzudenken ist".


Attraktives Programm
Das Heidelberger Sinfonieorchester "TonArt" brachte ein attraktives Programm mit. Zwei klassische Dauerbrenner rahmten die Uraufführung eines zeitgenössischen Werks der Heidelberger Komponistin Olga Magidenko ein. Unter dem Titel "Medea und Aigeus" prallen gegensätzliche Klangcharaktere aufeinander, die für Vergeltung und Herrschsucht, Rache und verständnisvolle Liebe stehen. Die kontrastreiche Instrumentierung war wie geschaffen, um die Farbigkeit und solistischen Stärken des Orchesters unter der Leitung von Stefan Ottersbach herauszustellen.


Dramatik und Zartheit traten auch in Sergei Prokofjews Suiten "Romeo und Julia" markant hervor. In Tschaikowskys erstem Klavierkonzert erwies sich TonArt als rücksichtvoller Begleiter der virtuosen Pianistin Anna Zassimova.


Mannheimer Morgen

28. Januar 2009
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